Yello Revival

Wer kennt nicht die alten Songs der Schweizer Sample-Meister Boris Blank und Dieter Meier, alias Yello? In den Achtzigern sorgten sie mit „The Race“ für die Titelmelodie der Musiksendung „Formel Eins“ für Furore und ihr Song „Oh Yeah“ tauchte gleich mehrfach in diversen amerikanischen Filmen auf, beispielsweise in „Das Geheimnis meines Erfolges“ und „Ferris macht blau“.
Ein kürzlicher Besuch bei meinem langjährigen Freund Björn, den man durchaus als Highend-Fanatiker im Akkustikbereich nennen darf und einen Heidenspaß beim Sezieren dargebotener Musikstücke hat, machte die bereits sehr früh verbreitete Genialität akkustischer Hörgenüsse von Yello zum Thema des Abends.
Nun gab mir Björn das Album „The Eye“ mit auf den Weg und bereits im Auto ließen sich die tieffrequenten Sequenzerpassagen erahnen – bei dem werksseitig verbauten Lowend-CD-Radio wirklich leider nur erahnen. Besonders blieb nach dem späteren Hören „Tiger Dust“ in Erinnerung. Tieffrequente Passagen, verirrende Percussions, gesamplete Stimmen produzieren eine Atmorsphäre, bei der man nur einen Wunsch hat: lauter!
Nach mehrjähriger Hörpause, was Yello angeht, war es ein willkommener Anlass auch die alten Stücke nochmal zu hören. Nach wie vor ringt der Song „Tied Up“ in der Maxiversion mit weiteren Highlights um die persönliche Favoritenposition.

Was macht eigentlich den Reiz eines Hauskonzertes aus?

Im April 2009 gab es eine Einladung zu einem Hauskonzert im Wohnzimmer von Dietmar & Family. Ein Kanadier mit niederländischer Abstammung, genauer genommen Matthew de Zoete, sollte seine Songs zum besten geben. Die Premiere des Besuches eines Hauskonzertes meinerseits. Etwa 40-50 weitere Interessierte fanden sich im liebevoll als Raumfahrtzentrum Saarner Kuppe getauften Wohnzimmer ein.

Doch was bewegt Künstler ausgerechnet im Wohnzimmer fremder Leute zu musizieren? Als Erklärung gab es ein verblüffend einfaches Statement: Es ist die Atmosphäre. Während es in den meisten Clubs beim trinken und den Unterhaltungen der Gäste einer musikalischen Untermalung bedarf, ist das Publikum bei einem Hauskonzert viel aufmerksamer, ruhiger, neugieriger und vor allem dankbarer für den dargebotenen Auftritt. Auch die Wertschätzung gegenüber den Künstlern ist viel größer. Durch Erzählungen über Entstehungsgeschichten der Songs und weiterer Anekdoten in den Liedpausen wird der Kontakt zum Künstler intensiver. Anschließende Gespräche, ggf. beim Erwerb des einen oder anderen Tonträgers runden den durchweg positiven Eindruck eines Hauskonzertes ab und lassen den Abend unvergesslich, weil zuvor unvorstellbar, in Erinnerung bleiben. Nicht unerwähnt darf jedoch bleiben, wie sehr Dietmar & Family um das leibliche Wohl ihrer Gäste besorgt sind. Eintritt verlangen die Eheleute übrigens nicht, dafür soll dem Künstler lieber ein Euro mehr gespendet werden, wenn der obligatorische Hut gegen Ende des Konzertes herumgeht. Klingt verrückt? Ist es auch. Aber auf eine liebenswürdige und unvergleichliche Art. Erklären lässt es sich wohl nur mit abgöttischer Leidenschaft.

Die Kanadierinnen T. Nile und Joanna Chapman-Smith standen beim nächsten Besuch auf der Liste. Eigentlich sind beide Solokünstler und stammen aus unterschiedlichen Regionen ihres Heimatlandes, aber in Europa stellten sie sich gemeinsam auf die Bühnen, jeweils den anderen unterstützend. Durch ihre bezaubernde Art zu spielen, gepaart mit den nett erzählten Anekdoten spielten sie sich rasch in die Herzen der Zuhörer. Beim Auftritt selbst gewann Joanna Chapman-Smith für mich die Oberhand. Ihre Ausstrahlung beim Vortrag des Liedgutes war eine Spur positiver, verträumter als bei T. Nile. Doch nach mehrmaligem hören ihrer CDs erhärtete sich der umgekehrte Eindruck: T. Niles Musik findet schneller den Weg ins Ohr. Einen besonders positiven Eindruck konnten die Stücke „Silently“, „Get Together“und „Willie“ ihres Albums „At My Table“ hinterlassen.

Das letzte Konzert in 2009 spielten Danny Michel und Romi Mayes in Big D’s Wohnzimmer. Den Anfang machte der in Kanada einen Kultstatus innehabende Danny Michel. Die ersten Stücke konnte man nur wie in Trance auf sich wirken lassen. Minutenlanges begeistertes staunen über die Performance, Witzigkeit und Leichtigkeit dieses Künstlers fesselte auf eine unheimliche Art. Als Technikfreak setzte er einen so genannten Looper ein, der das Publikum fassungslose Ungläubigkeit in die Gesichter zu spielen schien. Dieses technische Gerät speicherte auf Tastendruck Sounds ab und spielte sie bei weiterer Betätigung in einer Endlosschleife wieder ab. Das führte unweigerlich zu dem Eindruck, es würden mehrere Gitarristen ihr Können zum besten geben. Atemberaubend dieser Mistkerl: Hut ab! Aber auch die danach agierende Romi Mayes brillierte durch ihr Geschick an den Saiten und mit ihrer treffsicheren Stimme. Begleitet wurde sie zeitweise durch Danny Michel, der sich geschickt im Hintergrund hielt.

Wer auch immer in den Genuss zur Möglichkeit zum Besuch eines Hauskonzertes hat, muss diese unbedingt wahrnehmen. Auch, wenn der auftretende Künstler nicht unbedingt den eigenen Musikgeschmack treffen mag. Die Atmosphäre in einem mit 40-50 Personen gefüllten Wohnzimmer ist einzigartig.

Danke an Dietmar & Family!